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DraftKings und der Kampf um die richtige Terminologie: Warum ‚Handel‘ und ‚Wette‘ einen entscheidenden Unterschied machen

Die neue Werbekampagne von DraftKings mit Kevin Hart und Nick Jonas zeigt, wie Prediction Markets mit regulatorischen Herausforderungen und Werbebeschränkungen umgehen.

Redington Cybersport Desk
SEPTEMBER 21, 2026
DraftKings und der Kampf um die richtige Terminologie: Warum ‚Handel‘ und ‚Wette‘ einen entscheidenden Unterschied machen

DraftKings hat eine neue, aufwendige Werbekampagne gestartet, die die komplexe regulatorische Landschaft der Prediction Markets in den USA widerspiegelt. Unter dem Titel „Take Your Game Anywhere“ treten die bekannten Prominenten Kevin Hart und Nick Jonas als Protagonisten auf, die während eines Roadtrips durch die Vereinigten Staaten verschiedene DraftKings-Produkte nutzen. In New Jersey, einem Staat mit legalem Sportwettenmarkt, werden sie beim Wetten gezeigt. Sobald sie jedoch nach Kalifornien reisen, wo Sportwetten nicht legalisiert sind, wechselt die Terminologie, sie „handeln“ nun auf der Plattform DraftKings Predictions.

Terminologie als Schlüssel zu TikTok und anderen Plattformen

Der gezielte Wechsel zwischen den Begriffen „Wette“ und „Handel“ ist keineswegs zufällig. Im Juli 2026 hat TikTok seine Werberichtlinien aktualisiert und erlaubt seitdem Anzeigen für Prediction Markets in 17 Ländern, darunter den USA, Kanada und Großbritannien. Allerdings gilt eine entscheidende Einschränkung: Die Plattform unterscheidet streng zwischen Werbung für „Handelsaktivitäten“ und traditionellen Sportwetten. Prediction Markets, die ihre Produkte als „Ereigniskontrakte“ oder „Handelsplattformen“ bewerben, können unter Umständen zugelassen werden, während Wettanbieter, die Glücksspielbegriffe verwenden, ausgeschlossen bleiben. TikTok verlangt zudem, dass Unternehmen direkt mit einem Vertriebsmitarbeiter zusammenarbeiten, um ihre Anzeigen freizugeben.

Der regulatorische Grabenkampf zwischen Staaten und Bundesbehörden

Hinter der terminologischen Debatte verbirgt sich ein tieferliegender Konflikt zwischen staatlichen Glücksspielaufsichtsbehörden und der US-Terminwarenhandelsaufsicht CFTC. Während die CFTC Prediction Markets als regulierte Handelsplattformen für Ereigniskontrakte einstuft, sehen einige Bundesstaaten darin unerlaubtes Glücksspiel. „Die gewählte Sprache hat unmittelbare rechtliche Bedeutung, da sie die Frage der Zuständigkeit klärt“, erklärt Stephen Piepgrass, Partner bei Troutman Pepper Locke. Er betont, dass Unternehmen, die ihre Produkte als „Handel“ bezeichnen, bewusst die Position der CFTC unterstützen und sich damit der Aufsicht der Bundesbehörde unterstellen.

Prominente als Türöffner für Prediction Markets

Die Werbestrategien der Prediction Markets setzen zunehmend auf bekannte Gesichter, um Akzeptanz und Reichweite zu erhöhen. Novig, ein weiterer Anbieter in diesem Bereich, hat die Schauspielerin Sydney Sweeney für eine nationale Kampagne engagiert, die gezielt mit dem Begriff „Sports Trading Experience“ wirbt. Polymarket wiederum setzt auf Superstar LeBron James, der neben anderen Prominenten wie Eli Manning und Spike Lee in einer Football-saisonalen Kampagne auftritt. Die American Gaming Association schätzt, dass Prediction Markets allein in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 rund 200 Millionen US-Dollar in digitale Werbung investiert haben, ein Zeichen für das aggressive Wachstum dieser noch jungen Branche.

TikTok geht weiter als Google und Microsoft

Während andere Tech-Giganten wie Google und Microsoft ebenfalls Richtlinien für Prediction-Market-Werbung haben, geht TikTok einen Schritt weiter, indem es die Terminologie explizit zur Bedingung macht. Google verlangt zwar eine Zertifizierung und regulatorische Compliance, Microsoft testet ein Pilotprogramm für ausgewählte Anbieter, doch keines der Unternehmen macht die Werbezulassung so deutlich von der Wortwahl abhängig wie TikTok. „Unternehmen haben einen starken Anreiz, die von der Plattform vorgegebene Sprache zu übernehmen“, erklärt Marla Royne Stafford, Marketingexpertin an der University of Nevada, Las Vegas. Sie verweist darauf, dass ein einheitlicher Sprachgebrauch über alle Kanäle hinweg nicht nur für die Markenwahrnehmung, sondern auch für die regulatorische Compliance entscheidend sei.

Rechtliche Fallstricke und die Notwendigkeit konsistenter Kommunikation

Rechtsexperten wie Piepgrass warnen vor den Konsequenzen uneinheitlicher Begrifflichkeiten. Ein Unternehmen, das gegenüber Aufsichtsbehörden von „Handel“ spreche, aber gegenüber Kunden weiterhin „Wetten“ anbiete, laufe Gefahr, wegen irreführender Werbung belangt zu werden. Ein Beispiel dafür ist Kalshi, das sich zunächst als „First Nationwide Legal Sports Betting Platform“ bewarb, später jedoch auf Handels-Terminologie umschwenkte, nachdem Bundesstaaten rechtliche Bedenken äußerten. Die aktuelle DraftKings-Kampagne mit Hart und Jonas zeigt, wie Branchenakteur versuchen, diese Balance zu halten, indem sie ihre Botschaft an die lokalen Gegebenheiten anpassen, ohne den regulatorischen Rahmen zu sprengen.

Die Zukunft der Prediction Markets zwischen Handel und Glücksspiel

Die Debatte um die richtige Terminologie ist mehr als nur ein semantisches Problem. Sie entscheidet nicht nur über Werbemöglichkeiten auf Plattformen wie TikTok, sondern auch darüber, wie diese Produkte langfristig reguliert und von Verbrauchern wahrgenommen werden. Während die CFTC weiterhin auf ihrer Zuständigkeit beharrt, könnten neue Gerichtsentscheidungen oder Gesetze auf Bundesstaatenebene die Lage weiter verkomplizieren. Für Unternehmen wie DraftKings, Novig oder Polymarket bleibt die Herausforderung, eine Sprache zu finden, die sowohl Marketingzwecken dient als auch rechtlichen Ansprüchen genügt, sei es in New Jersey, Kalifornien oder auf TikTok.

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