Britische Steuererhöhung bedroht Spielautomatenbranche: Deutsche Bank analysiert massive Auswirkungen auf Betreiber
Eine geplante Erhöhung der Machine Gaming Duty könnte insbesondere stationäre Betreiber schwer treffen, mit potenziellen Ladenschließungen und Arbeitsplatzverlusten.

Die britische Regierung plant eine deutliche Erhöhung der Machine Gaming Duty (MGD), die nach einer Analyse der Deutschen Bank insbesondere Betreiber mit umfangreicher Präsenz im stationären Handel existenziell bedrohen könnte. Die Untersuchung basiert auf aktuellen Daten der Gambling Commission und beleuchtet die potenziellen Folgen für die gesamte Branche.
Hintergrund der Steuerpläne
Erste Berichte über eine mögliche MGD-Erhöhung tauchten im Financial Times auf, nachdem Schatzkanzler John Healey entsprechende Vorschläge der Social Market Foundation prüfte. Die Denkfabrik hatte in einem aktuellen Report eine Steueranpassung empfohlen. Die britische Spielautomatenbranche erwirtschaftet laut Gambling Commission einen Bruttospielertrag (GGY) von etwa 2,7 Milliarden Pfund (3,5 Milliarden Dollar), wobei Kategorie-B-Automaten den Löwenanteil von rund 80% ausmachen.
Rank Group in existenzieller Krise
Die Deutsche Bank identifiziert die Rank Group als am stärksten gefährdeten Akteur. Mit dem umfangreichsten Filialnetz aller untersuchten Unternehmen würde das Unternehmen bei einer Verdoppelung der MGD auf 40% mit jährlichen Mehrkosten von circa 35 Millionen Pfund belastet. Diese Summe entspräche 44% des prognostizierten EBIT für 2028 und etwa 17% des näherfristigen EBITDA. Ohne jegliche Gegenmaßnahmen läge die Belastung sogar bei 24% des EBITDA. Ein Sprecher von Rank bestätigte aktuelle Verhandlungen: „Wir setzen uns weiterhin direkt mit dem Finanzministerium und anderen Behörden auseinander, um die Auswirkungen von Steuererhöhungen auf unsere Branche und unser Unternehmen darzulegen.“ Das Unternehmen hatte bereits öffentlich erklärt, dass viele Standorte „unrentabel“ werden könnten, was Arbeitsplatzverluste nach sich ziehen würde.
Entain warnt vor massiver Abwanderung
Entain wäre nach den Berechnungen der Deutschen Bank mit zusätzlichen jährlichen Kosten von etwa 100 Millionen Pfund konfrontiert, etwa 10% des prognostizierten EBITDA für 2027 und 20% des angestrebten Free Cash Flow für 2028. In einem Brief an Premierminister Andy Burnham warnte der Konzern vor dramatischen Folgen: Bis zu einer Milliarde Pfund an Spielumsätzen könnten in den unregulierten Schwarzmarkt abwandern. Bereits jetzt plant Entain den Abbau von 400 Service-Stellen in seinem 2.000-köpfigen UK-Team. Trotz dieser Belastungen sieht die Deutsche Bank langfristiges Potenzial und bestätigte ihr „Buy“-Rating, insbesondere wegen des US-Engagements über das BetMGM Joint Venture.
Flutter relativ immun dank US-Fokus
Flutter Entertainment wäre als drittes untersuchtes Unternehmen mit weniger als 20 Millionen Dollar zusätzlicher Belastung am wenigsten betroffen, weniger als 1% des Konzern-EBITDA. Dieser vergleichsweise geringe Impact erklärt sich durch den starken Fokus auf das US-Geschäft mit FanDuel, das mittlerweile den Großteil des Unternehmenswerts ausmacht.
Strukturelle Unterschiede zwischen Online und Retail
Die Analyse der Deutschen Bank hebt hervor, dass Online-Anbieter in der Vergangenheit etwa 50% von Steuererhöhungen durch strategische Anpassungen kompensieren konnten, etwa durch reduzierten Marketing-Einsatz, weniger Werbeaktionen wie Freiwetten oder Effizienzsteigerungen in der Lieferkette. Stationäre Wettbüros stehen dagegen vor ungleich größeren Herausforderungen: Mit hohen Fixkosten für Mieten, Personal und Betriebskosten bleiben nur begrenzte Anpassungsmöglichkeiten. Die Bank prognostiziert, dass maximal 30% der Mehrkosten durch Schließungen unrentabler Filialen aufgefangen werden könnten.
Branche bereits im Schrumpfungsmodus
Die Warnungen der Deutschen Bank kommen zu einem Zeitpunkt, in dem die Branche bereits massive Standortschließungen verkraften muss. Betfred hat in diesem Jahr bereits 132 Geschäfte geschlossen, nachdem die Remote Gaming Duty erhöht wurde. CEO Fred Done warnte vor einer weiteren Verschärfung: „Zusätzliche Steuererhöhungen könnten zu flächendeckenden Wettbüro-Schließungen führen, verwandte Sektoren wie den Pferderennsport schädigen und den Niedergang der Innenstädte beschleunigen.“ Der Konzern Evoke nahm im April dieses Jahres gleich 200 William-Hill-Läden vom Netz, ebenfalls als direkte Reaktion auf gestiegene Steuerlasten.
Regulatorische Zwickmühle
Die Situation verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen staatlichen Regulierungsinteressen und der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der Branche. Während die Regierung mit höheren Steuern zusätzliche Einnahmen generieren und möglicherweise problematisches Spielverhalten eindämmen will, drohen ungewollte Nebeneffekte: Die Deutsche Bank warnt vor massiven Arbeitsplatzverlusten, einer Schwächung des regulierten Marktes und einem Erstarken des Schwarzmarktes, Entwicklungen, die letztlich weder der Wirtschaft noch den Spielerschutzbemühungen dienen würden.


